Die Stadt Hennef entwickelt mit dem integrierten Vorreiterkonzept „treibhausgasneutrales Hennef 2040“ ihr bestehendes Klimaschutzkonzept gezielt weiter. Als Ziel wird eine treibhausgasneutrale Stadtverwaltung bis 2035 und die Treibhausgasneutralität auf dem gesamten Stadtgebiet bis zum Jahr 2040 angestrebt. Kernstück des Konzepts ist ein Maßnahmenkatalog der zeigt, welche Schritte in den kommenden Jahren verfolgt werden sollen
Hennef Power e. V. begrüßt grundsätzlich das vorgelegte Konzept . Es gibt einen guten Überblick über die anstehenden Maßnahmen, mit denen sich die Kommune am Klimaschutz beteiligen kann – und aus Sicht des Vereins auch muss. Als lokale Bürgerenergiegesellschaft, die den Ausbau erneuerbarer Energien im Stadtgebiet wesentlich vorantreibt, wäre eine Beteiligung bei der Konzepterstellung wünschenswert gewesen.
Zu dem Konzept nimmt Hennef Power wie folgt Stellung:
1. Fehlende Stromerzeugung durch Biomasse
Biomasse wird im Konzept ausschließlich unter dem Aspekt der Wärmeerzeugung betrachtet und nicht als Quelle elektrischer Energie: Die in Hennef vorhandene landwirtschaftliche Struktur mit einem signifikanten Anteil an Pferde- und Rinderhaltungen führt zu kontinuierlich anfallenden organischen Reststoffen wie Mist und Gülle. Diese Stoffströme bieten ein bislang nur gering ausgeschöpftes Potenzial zur energetischen Nutzung in Form von Biogaserzeugung. Durch die Kombination mit Blockheizkraftwerken kann daraus sowohl elektrische Energie als auch nutzbare Wärme erzeugt werden. Im Gegensatz zu fluktuierenden erneuerbaren Energien wie Photovoltaik oder Windenergie stellt Biomasse eine steuerbare und grundlastfähige Energiequelle dar und kann somit zur Stabilisierung des lokalen Energiesystems beitragen.
Vorschlag: Die Berücksichtigung von Biomasse zur Stromerzeugung – gerade in Kombination mit Nahwärme – sollte dringend ergänzt werden.
2. Veraltete Betrachtung von Batteriespeichern
Aus Sicht von Hennef Power ist die Beurteilung von Batteriespeichern (S. 54 „(…) Eine Speicherung des Stroms in Batteriespeichern in diesen Dimensionen ist aus aktueller Sicht noch nicht wirtschaftlich. (…)“ nicht auf der Höhe der Zeit. Der bundesweite Zubau bestätigt, dass Großspeicher für PV und für Wind keine Zukunftstechnologie mehr sind. Vielmehr hängt ihr wirtschaftlicher Einsatz vom konkreten Anwendungsfall ab. Zudem zeichnet sich aktuell nach Mitteilung des Landesverband Erneuerbare Energien NRW e. V. die Stromnetzbetreiberin in der Stadt Hennef und Eon-Tochterunternehmen Westnetz GmbH im Land als Hemmnis in diesem Bereich ab.
Vorschlag: Der Einsatz von Batteriespeichern sollte im Konzept differenzierter betrachtet werden: Als fester strategischer Bestandteil sollten sie im Dokument noch ergänzt werden.
3. Mangelnde Berücksichtigung des lokalen Netzausbaus
Auf den 128 Seiten des Konzepts findet sich keinerlei Hinweis auf die geplanten Maßnahmen der Stadt im Hinblick auf den Ausbau des lokalen Stromnetzes. Zwar wird auf Seite 21 die Hennef (Sieg) Netz GmbH & Co. KG als Eigentümerin der örtlichen Strom- und Gasverteilnetze für die Unterhaltung und den Ausbau der Netzinfrastruktur im Stadtgebiet als Verantwortliche genannt, aber verbunden mit dem Zusatz, nicht den operativen Netzbetrieb zu übernehmen.
Schon heute ist aus Sicht von Hennef Power absehbar, dass der Ausbau der lokalen Stromnetze einen wesentlichen Flaschenhals darstellt: Das beginnt bei unzureichenden Kapazitäten für Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern bis zum Anschluss größerer Erzeugungsanlagen. Als Netzeigentümer trägt die Stadt Hennef die Verantwortung dafür, dass der Ausbau erneuerbarer Energien und die Umstellung auf E-Mobilität nicht durch die mangelnden Kapazitäten im lokalen Stromnetz behindert wird.
Vorschlag: Als weitere Maßnahme ist auch der Ausbau des lokalen Stromnetzes in die Planung zu ergänzen.
Hennef Power regt darüber hinaus an, als Akteur bei der Umsetzung der Maßnahmen (siehe 6.1.1) als feste Größe künftig mit berücksichtigt zu werden.
Foto/Grafik © Stadt Hennef & Farknot | Envato Elements Pty Ltd.

